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Was bringt dem Tourismus die Elektromobilität? Nur Kosten oder acht neue Chancen?

Der Trend zum E-Bike ist ungebrochen, die Zulassungszahlen bei Elektroautos steigen von Jahr zu Jahr und die Politik und Wirtschaft kann dem Thema immer weniger aus dem Weg gehen. Die Elektromobilität kommt – und das immer stärker. Doch inwiefern profitiert der Tourismus direkt von der Mobilitätswende?

Zum heutigen Tourismus gehört mehr, als nur ein Quartier mit Frühstück anzubieten. Die Möglichkeiten und die Erwartungen der Gäste sind heutzutage ganz andere wie früher. Man erwartet sich gutes Essen, Luxus, Entspannung, Sportmöglichkeiten, Wellness und vor allem auch Vielfalt.

1) E-Bikes, Elektroroller und Teslas – E-Mobilität als Urlaubserlebnis

Mittlerweile gibt es eine immer größer werdende Auswahl an Elektromobilen. Es fängt bei kleinen Spaßmobilen an: E-Scooter, Hoverboards, elektrische Skateboards und Segways bieten dem Gast die Möglichkeit auf wahrscheinlich noch nie erlebte Art den Urlaubsort zu erforschen.

Für längere Ausfahrten eignen sich E-Bikes oder Elektroroller. Gerade im Sommer bei Temperaturen jenseits der 30° C ist man mit diesen gegenüber herkömmlichen Fahrrädern klar im Vorteil: Man betätigt sich sportlich – aber in einem entspannteren Belastungsbereich, was bei großer Hitze mehr Spaß macht und außerdem gesünder ist.

Noch eins drauf setzen kann der Hotelier, wenn er ein Elektroauto anschafft. Dieses nutzt er entweder privat oder stellt es seinen Gästen kostenpflichtig zur Verfügung. Ob die CO2-freie Spritz-Tour nun in die Berge oder an den Strand führt, ist fast nebensächlich – gerade die ersten Erfahrungen mit der Dynamik des Elektroantriebs sind bleibende Erlebnisse, welche die wenigsten Hotels zurzeit bieten können.

2) Charge & Sleep: Chance für neuen Kundenkreis

Überzeugte Elektroauto-Fahrer sind anders wie die „Verbrenner-Fraktion“. Sie suchen sich das Hotel nicht nur nach der Anzahl der Sterne, der Lage und dem Wellnessbereich aus. Oberste Priorität ist, dass es im Hotel auch eine Lademöglichkeit für ihre „Stromer“ gibt. Erst dann können sie richtig gut schlafen.

Hotels mit Restaurant oder Café werden für durchreisende E-Mobilisten zunehmend interessant. Selbst, wenn ein Hotel selten eine Schnellladestation betreibt – in zwei Stunden sind die meisten E-Autos wieder mit 150 bis zu 300 km zusätzlicher Reichweite versorgt und es wurden damit neue Kunden angelockt.

Hotels mit Ladestationen tauchen auch in Navigationssystemen und Lade-Apps auf. Die Einträge sind kostenlos und zusätzlich zur klassischen Werbung oder teueren Internetportalen eine bis jetzt noch nie da gewesene Vermarktungsmöglichkeit. Diesen Trend hat auch booking.com erkannt und ermöglicht seit kurzem in der Detailsuche nach Hotels mit „Aufladestationen“ zu selektieren.

3) Elektromobilität als Add-ons zum Quartier

Immer mehr Hoteliers erkennen den Trend der Zeit. Aber bei der Elektromobilität gehört mehr dazu als im Hof des Hotels eine schlecht auffindbare Ladestation zu installieren und abzuwarten, was passiert.

Es gibt einige sehr gelungene Vorzeigebeispiele, die von Anfang an die Elektromobilität in ihrem Hotel oder der Urlaubsregion regelrecht zu ihrem neuen USP gemacht haben. Ob das nun der Kaiserhof in Anif mit speziellen „Tesla E-Motion Tagen“ ist, die Urlaubsregion Schladming-Dachstein mit ihren „Genussmobilen“ oder Werfenweng in Salzburg mit nachhaltigen Urlaubspackages mit inkludiertem E-Auto-Verleih – der Kreativitiät sind bei den Zusatzangeboten keine Grenzen gesetzt. Solche Zusatzleistungen helfen sich von der Konkurrenz abzusetzen und gewisse Internetportale wie z.B. „Alpine Pearls“ vergeben dafür sogar eigene Gütesiegel.

4) Neue Einnahmequelle durch E-Mobilitätsdienstleistungen

E-Bikes verleihen, Tesla vermieten oder E-Tankstellen bieten auch ungeahnte neue Einnahmequellen. Auch, wenn einige Hoteliers ihren Gästen zum Elektroauto-Aufladen den Strom kostenlos als Dienstleistung zur Verfügung stellen, niemand muss sich dazu verpflichtet fühlen. Benzin oder Diesel bekommt man auch nirgends umsonst. Strom direkt nach kWh zu verrechnen ist jedoch nur Stromanbietern gestattet. Behelfen kann man sich jedoch, wenn man stattdessen die Benutzung der Ladestation oder des Parkplatzes in Rechnung stellt. Wer jedoch keine verrechnungstechnische Mehraufwände möchte, wählt am besten einen E-Mobility-Provider aus, der Hardware und Verrechnungssoftware aus einer Hand liefern kann. Manche davon bieten sogar die Möglichkeit pro Ladung etwas mitzuverdienen.

5) Vorreiterrolle einnehmen als nachhaltiges E-Mobility-Hotel

Die Elektromobilität kommt nicht in allen Wirtschaftsbereichen gleichermaßen gut an. Vor allem in der Automobilbranche wird ihr immer noch mit großem Vorbehalt begegnet. Auch schöpft die Politik bei weitem nicht die Möglichkeiten aus, die sie hätten, um den Mobilitäswandel zu beschleunigen.

In Österreich gibt es fast 65.000 Beherbergungsbetriebe und der Tourismus ist eine der wichtigsten Einnahmequellen Österreichs.

Der Tourismus und die Mobilität waren immer schon eng miteinander verbunden und ohne Individualverkehr wäre er nie da, wo er jetzt ist. Ein Grund mehr sich klar zur emissionsfreien Elektromobilität kombiniert mit erneuerbaren Energien zu bekennen. Jedes Hotel, welches das erkennt und unterschreibt, zeigt Pioniergeist und geht mit bestem Beispiel anderen voran.

6) Elektrifizierter Hotel-Fuhrpark hilft Kosten senken

Selbst wenn die Anschaffungskosten bei E-Autos derzeit (noch) höher wie bei Verbrennern sind, langfristig fährt man elektrisch günstiger. Bei einem Benzinauto fallen für 100 Kilometer zirka 8 Euro Spritkosten an, hingegen hat man mit 100 Kilometer bei einem Elektroauto nur zirka zwei Euro Stromkosten. Ein Elektromotor ist gänzlich wartungsfrei und ein Elektroauto-Service ist meistens nur alle 30.000 km notwendig, wobei die Kosten minimal sind.

Des weiteren entfällt in Österreich bei Elektroautos die NOVA und die motorbezogene Versicherungssteuer. Alle Elektroautos sind bei betrieblicher Nutzung vorsteuerabzugsberechtigt und von der Sachbezugsregelung komplett befreit. Zusätzlich gibt es in Deutschland und Österreich direkte Kaufförderungen bis zu € 5.000,-. Je nach Kilometerleistung kann ein Elektroauto gegenüber seinem Benzinbruder bereits ab drei Jahren die höheren Anschaffungskosten kompensiert haben.

7) Sanfter Tourismus durch weniger Lärm

Gerade Hotels und Restaurants direkt an stark befahrenen Straßen werden über steigende E-Autoanteile dankbar sein. Die geringeren Geräusch-Emissionen von Elektroautos – vor allem im städtischen Geschwindigkeitsbereich unter 50 km/h wären eine große Erleichterung für Gäste und Angestellte und würden wesentlich zur Steigerung der Lebensqualität und Gesundheit beitragen.

8) Bessere Luft in Stadt und Land

Mit höherer Luftqualität steigt nochmals zusätzlich die Lebensqualität der Anrainer und der Erholfaktor für die Gäste. Auch im Nutzfahrzeugsektor wird die Elektromobilität immer mehr zum Thema und emissionsfreie Lkws wären ein großer Beitrag, um die Städte lebenswerter zu machen. Straßen-Cafes und City-Hotels würden gleichermaßen profitieren.

Fazit:

Die Elektromobilität im Tourismus ist eine neue Chance, Gästen eine große Vielfalt an trendigen Freizeitmöglichkeiten zu bieten. Hotels werden dadurch zum Mobilitätsanbieter, wo Urlauber/innen testen, ausleihen und e-mobilen Spaß haben können. Der Hotelier kann damit seine Umsätze, Attraktivität und sein Image auf nachhaltige und umweltfreundliche Weise erhöhen.

Aber nicht nur der Tourismus profitiert von der Elektromobilität. Auch umgekehrt hilft es der Elektromobilität ungemein, wenn E-Bikes und E-Autos rascher Verbreitung finden. Gerade bei neuen Technologien, ist es wichtig Berührungspunkte zu schaffen. Das fördert die Akzeptanz und schafft bleibende positive Urlaubserlebnisse – vielleicht sogar bei dem einen oder anderen Skeptiker. Vielleicht sogar so positiv, dass in der nächsten Saison nur mehr Hotels mit E-Mobilen infrage kommen.

Quelle: Zimmerstunde.at

Aktueller Veranstaltungstipp zum Thema „Elektromobilität im Tourismus“ am 30. März beim Hotel Restaurant Kaiserhof in Anif:

Ein Kommentar

  1. Wolfgang Wegmann says:

    Danke Volker Adamietz, der Artikel trifft viele gute Punkte, nach denen auch wir unseren Urlaub bereits ausrichten. Ergänzen könnte man noch, das auch die Tourismus-Verbände ebenfalls Vorteile für ihre Regionen realisieren können. An Wander-Parkplätzen, Golf-Plätzen und Ski-Liften dienen Ladepunkte als idealen Tourismuslenkung. (nicht nur in Südtirol ist dies bereits jetzt gut zu erleben).

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