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Rekuperation des VW e-up! Wer bremst, der gewinnt …

Rekuperation VW eup

Fahrleistungsanzeige: Grün bedeutet Laden (Rekuperieren).

von Gastautor KDR: Das Wort „Rekuperation“ hört sich wie etwas Kompliziertes an. Ein(e) technisch unbedarfte(r) AutofahrerIn wird wohl eher davon verschreckt, als dass sie/er sich deswegen mit der Technik eines Elektroautos befreundet.

Das ist jedoch völlig unbegründet, denn Rekuperation steht auch für einen Gewinn an Fahrkomfort, den man nicht mehr vermissen möchte.

Wissenswertes

Der Blick in ein Fremdwörterbuch verrät, dass „Rekuperation“ vom Lateinischen „recuperare“ abgeleitet ist und so viel wie „wiedererlangen“ bedeutet. Bei Elektrofahrzeugen steht der Begriff für die Wiedererlangung von Energie.
Die (kinetische) Energie welche in einem sich in Bewegung befindlichem Fahrzeug steckt geht normalerweise beim Bremsen vollständig verloren. Anders bei einem Elektroauto mit „intelegenter“ Motorsteuerung – so wie bei meinem eUP!. Hier kann der Motor auch als Generator arbeiten und lädt beim Bremsen die Batterie.
Damit erhöht sich die Reichweite, die Umwelt wird mit weniger Feinstaub belastet und der Fahrkomfort wird gesteigert.

Wie bewährt sich die Rekuperation in der Praxis?

Der eUP! hat eine so genannte „1-Gang Automatik“. Man stellt den Wahlhebel einfach auf „D“ und gibt „Strom“. Zum Anhalten nimmt man den Fuß vom „Strom“ und tritt – wie gewohnt – auf die Bremse. Man bemerkt dabei gar nicht, dass man hierbei bereits die Rekuperation genutzt hat. Man spürt keinen Unterschied, ob das Fahrzeug elektrisch oder mit den normalen Bremsen abgebremst wird. Man erkennt es allenfalls anhand der links vom Tacho befindlichen Fahrleistungsanzeige (siehe das 1. Bild, grüner Bereich), oder wenn man im Bord-Computer die Energiefluß-Anzeige gewählt hat. Nach der Fahrt kann man sich im Bord-Computer eine Analyse der Rekuperation ansehen (siehe das 2. Bild).

Was soll die ganze „Aufregung“ um die Rekuperation?

Bisher habe ich nur über das „normale“ Fahren geschrieben. Mit einem Elektroauto wie dem eUP! kann man jedoch noch komfortabler und Energie-effizienter fahren. Dazu muss man allerdings die zusätzlichen Rekuperations-Stufen nutzen. Eine Erhöhung des Fahrkomforts ergibt sich dabei, indem fast alle Fahrsituationen nur mit dem „Strom“-Pedal gesteuert werden können. Nur in ganz wenigen Fällen muss der rechte Fuß auf das Bremspedal wechseln.

Rekuperation während der letzten 30 Minuten Fahrt, der lange Balken bei 5 min ist das Ergebnis einer Talfahrt mit 20% Gefälle, hierbei wurden fast 20% der bisher verbrauchten Energie rekuperiert

Rekuperation während der letzten 30 Minuten Fahrt, der lange Balken bei 5 min ist das Ergebnis einer Talfahrt mit 20% Gefälle, hierbei wurden fast 20% der bisher verbrauchten Energie rekuperiert

Die Bremswirkung der Rekuperation kann dabei in kleinen Stufen von D wie „Normal / kaum spürbar“ über D1, D2, D3 bis B wie „brutal“ gewählt werden. Dabei leuchten die Bremslichter auf um den Hintermann zu warnen. Im Handbuch des eUP! findet man dazu eine Warnung: „… starke Rekuperation kann zu Traktionsverlust und Schleudern führen … nur anwenden wenn … andere Verkehrsteilnehmer … nicht gefährdet werden.“ So gefährlich ist die Rekuperation auch wieder nicht. Andernfalls müsste bei normalen Fahrzeugen ebenfalls vor dem Zurückschalten gewarnt werden.
Ich fahre vorzugsweise in der Stufe B:

  • Man kann hierbei durch gefühlvolles Nachlassen des „Strom“-Pedals das Ausrollen bis zum Stillstand steuern ohne dass man mit dem Fuß auf das Bremspedal wechseln muss.
  • Imponierend ist das Hinunterfahren auf einer steilen Straße. Auf einer 20%-igen Gefällestrecke läßt sich die Geschwindigkeit nur mit dem „Strom“-Pedal auf Tempo 30 halten. Dabei erhöht sich die Reichweite nach 500 Metern um etwa 7 Kilometer (im 2. Bild der lange Balken bei 5 Minuten).
  • Ebenfalls eindrucksvoll ist die Rekuperation in Verbindung mit der Geschwindigkeitsregelung (Tempomat): das Fahrzeug läßt sich per Fingertipp nicht nur beschleunigen sondern auch abbremsen.

Gibt es Nachteile?

Keine wirklichen! Einige Kritiker bemängeln, dass die 5 Stufen zu viel des Guten sind. Das kann ich nicht bestätigen, denn niemand wird gezwungen alle Stufen zu nutzen! Aber Dank der vielen Stufen kann die Bremsleistung den jeweiligen Straßen- und Verkehrsverhältnissen optimal angepasst werden. Was wohl eher ein Vorteil ist.
Man gewöhnt sich schnell an die Vorteile der Rekuperation und damit an das „1-Pedal-Fahren“. Wenn man anschließend wieder mit einem normalen Auto fährt wundert man sich erst einmal, warum beim Zurücknehmen des „Gas“ keine Bremswirkung eintritt. Dieser Effekt kann jedoch auch beim eUP! auftreten wenn die Batterie geladen ist und diese somit keine Bremsenergie aufnehmen kann. Im Handbuch des eUP! kann man dazu eine Warnung lesen: „Mit zunehmenden Ladezustand … nimmt die Bremswirkung ab und kann vollständig ausbleiben …“ Was wohl kein wirkliches Problem ist, denn die normale Bremse funktioniert immer noch.

Fazit

Rekuperation ist eine mehr oder weniger „versteckte“ Technik welche die Energieeffizienz und den Fahrkomfort erhöht. Ein Elektroauto wie der eUP! kann von problemlos wie ein normales Auto gefahren werden. Bei einigen anderen Elektroautos kann es notwendig sein, dass man vor der ersten Fahrt eine Einweisung über sich ergehen lassen muss, das trifft für den eUP! wirklich nicht zu! Lediglich Umsteiger ohne Erfahrung mit Automatik-Getrieben müssen sich daran gewöhnen, dass der linke Fuß Pause hat.

Einsteigen, Bremspedal treten, Zündschlüssel auf Start drehen, Wahlhebel auf „D“, Strom geben und sich über die sportliche, aber vollkommen lautlose Beschleunigung freuen. Noch mehr Freude kommt beim Bremsen auf, denn die Energie verpufft nicht vollständig nutzlos in der Umwelt …

  1. Michael Kaas says:

    Wieviel Prozent der Energie können durch die Rekuperation denn zurückgewonnen werden?
    Bei einem Gespräch mit einem Entwicklungsingenieur eines 20.000€ teuren Elektro-Mountainbikes vor 1 Jahr erfuhr ich, dass dabei maximal 5-10% zurückgewonnen werden konnten und angeblich sei das technisch bedingt sogar schon ungefähr das Maximum. Da musste ich doch etwas erstaunt lächeln.