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Leaf-Book: Tag 15: Attersee -› Salzburg -› Attersee: Schlechtwetter und Reichweiten-Angst

Wie die Zeit vergeht – 2 Wochen sind es schon, dass ich den Leaf von Nissan teste. Man kann sich richtig gut dran gewöhnen. Obwohl ich bis jetzt bzgl. Reichweite meist noch relativ entspannt war (verglichen mit einigen meiner Insassen {:-), kam ich dann heute doch etwas ins Schwitzen – und das obwohl gar kein besonders schöner und warmer Herbsttag war.

Da ich geschäftlich nach Salzburg musste, wollte ich es einfach mal ausprobieren, ob sich die Strecke Nussdorf am Attersee bis Salzburg und wieder zurück mit einer Akkuladung gut ausgeht. Von der Entfernung her sind es insgesamt ca. 100 km, wobei davon ziemlich genau 50 % Autobahn sind. Autobahnen sind nicht unbedingt die größten Freunde von unseren elektrischen Kompagnen. Das Fahrverhalten von Elektroautos auf Autobahnen ist ja unvergleichlich angenehm. Stellt man den Tempomaten ein (dieser funktioniert im Leaf sehr gut und ich bin damit auch ohne Blick ins Handbuch gleich zurecht gekommen), geht alles fast wie von selbst. Würde man noch einen Kaffee angeboten bekommen, würde man meinen man sitzt im ICE.

Fahren mit dem Energiesparprogramm

Wäre da nicht diese Restreichweiten-Anzeige, die auf der Autobahn so arg dahin schwindet, das wäre angenehm. Da ich die Strecke ohne in Salzburg Nachladen absolvieren wollte, beschleunigte ich die ganze Fahrt sehr sanft, fuhr generell im ECO-Modus und, wenn es der Verkehr zuließ, verwendete ich möglichst oft den Tempomaten – das hilft auch noch mal zu sparen. Da Elektroautofahren ja nicht bedeuten soll, dass man im Kalten sitzt, wollte ich einerseits auf die Klimaanlage nicht ganz verzichten, andererseits war es auch einfach notwendig. Es hatte ca. 9° Außentemperatur und regnete. Wenn ich die Heizung u. das Gebläse für kurze Zeit ausschaltete, beschlug relativ schnell die Scheibe. Das ist dann doch nicht besonders angenehm und kann sehr schnell gefährlich werden.

Damit ich auch etwas genauere Fakten „LEAFern“ kann, hier ein kurzes Protokoll:

Abfahrt: Nussdorf am Attersee, 515 m.ü.A., Zeit: 13:10
Kilometerstand: 7.946 km
Restreichweite (100 % aufgeladen): 142 km (ECO: 156 km)

Ankunft: Salzburg Stadt, 425 m.ü.A., Zeit: 13:52
Kilometerstand: 7.995 km
Restreichweite: 85 km (ECO: 94 km)
gefahrene Geschwindigkeit: max. 110 km/h auf Autobahn, Bundesstraße: zwischen ca. 50 u. 80 km/h
Autobahn-Kilometer: 26 km

Zurück: Nussdorf am Attersee, 515 m.ü.A., Zeit: 13:10
Kilometerstand: 8.055 km
Restreichweite: 0 km!!
Autobahn-Kilometer: 15 km
gefahrene Kilometer: 109,5 km (Akku komplett leer)

Man sieht hier schön, dass in dem Fall doch mehr Restreichweite geschätzt wird als dann tatsächlich gefahren: ca. 47 km Unterschied ist doch ganz schön viel! Aber ich muss auch dazu sagen, 1.) die Restreichweite kann natürlich auch nicht hell-sehen und sie berechnet sich aus dem Fahrstil der zuletzt zurück gelegten Strecke und dem Akkuzustand. Oft ist zu lesen, dass diese Anzeige beim Leaf eher etwas zu pessimistisch ist (als Sicherheitsaspekt). Das mag vielleicht bei Landstraßen zutreffen, kommt aber Autobahn hinzu, heißt es doch noch etwas vorsichtiger als sonst zu sein. 2.) Die Anzeige hat mir sobald ich etwas länger auf der Autobahn war schon suggeriert, dass es mit der Reichweite knapp werden kann.

Zurück bin ich dann sicherheitshalber in Thalgau abgefahren, einerseits um mit meinem Hund und treuen Begleiter noch eine Runde spazieren zu gehen, andererseits um Strom zu sparen.

Navi vom Nissan Leaf Sackgasse nach Thalgau

Um Strecke und Kilometer zu sparen, wollte ich Abkürzungen nehmen. Dass mich das Navi vom Leaf dann in eine Sackgasse gelockt hat, wo ich über eine Wiese direkt in den Bach hätte fahren sollen, fand ich dann nicht mehr ganz so ulkig. Eigentlich hab ich gedacht/gehofft, dass die Zeiten, wo digitale Karten Fehler aufweisen, vorbei sind. Interessehalber habe ich dann auf meinem iphone meine Wanderkarten-App von Ortovox aufgerufen. Diese basiert auf OpenStreetMap und – siehe da – auch da ist ein Weg über den Bach eingezeichnet, der nicht existiert (die roten Pfeile dienen nur zur Veranschaulichung, in welche Richtung ich fahren wollte). Vielleicht sollte ich da OpenStreetMap ein Mal dazu schicken. Verglichen mit der fehlerhaften neuen Kartensoftware von Apple, die kürzlich für iOS 6 erschien, ist dies fast schon wieder harmlos.

Durch diesen falschen „Wegweiser“ habe ich zum Glück nur ca. 1 – 2 Kilometer verloren. Aber das können auch gerade die entscheidenden Meter sein, ob man es noch schafft oder eben nicht. Weiter fuhr ich dann möglichst effizient und vor allem die kürzeste Strecke wie nur möglich. Auch wenn ich den Weg von Mondsee zum Attersee bestens kenne (außer den Sprung über den Bach {:-), sicherheitshalber schaute ich noch am Navi, welcher Weg der kürzeste sei.

WICHTIG: Navigationsgeräte sind meist standardmäßig so eingestellt, dass sie den schnellsten Weg errechnen (mit Autobahnen). Beim Elektroauto bekommt aber die kürzeste Strecke zunehmend wichtige Bedeutung, gerade wenn es knapp wird. Dazu wählte ich am Navi „Alternative Route“ und dann „kürzeste“.

Schildkröten-Modus vom Nissan Leaf

Und es wurde wieder spannend: Mit einer Restreichweite von ca. 7 km konnte ich schon fast an meinem Haus vorbeifahren, aber – nein – ich wollte es ja wieder noch genauer wissen. Was passiert, wenn der Akku so richtig leer wird und wann schaltet das Auto in den “Schildkröten”-Modus? Hier im Display leuchtet dieser rechts von der Fahrbereitschaftsanzeige auf.

So fuhr ich noch ein paar Kilometer weiter und wieder zurück, jedoch mit einem wachsamen Auge auf der Anzeige. 6 km, 5 km ….. ups – lieber langam umkehren! Eigentlich erwartete ich die Fortsetzung des Countdowns, doch – siehe da: Plötzlich gibt es nur mehr 3 weiße Striche und die Restreichweite kann ich nur mehr erahnen. Ich könnte mir vorstellen, dass bei diesem geringen Ladezustand eine Berechnung zu ungenau wird. Leicht schwitzend konnte ich jedoch meinen rettenden Parkplatz erreichen.

Der Schildkröten-Modus

Die Straße bei mir geht bergauf und mit ein wenig rauf und runter fahren, zwinkerte mir orange leuchtend die Schildkröte im Display entgegen. Das ist der Modus mit begrenzter Fahrleistung und der heißt nicht umsonst so. Wenn es so weit kommt, heißt es echt schnell handeln. Das waren dann gerade mal ca. 400 Meter, die ich da noch in einem Tempo von ca. 25 km/h absolvieren konnte. Automatisch wird dann auch in die Fahrstufe „N“ geschaltet und beim in den Parkplatz herein rollen merkte ich sogar, wie sich die Servolenkung abgeschaltet hat und die Kontroll-Leuchte der 12 Volt-Bord-Batterie anging. Puuuuuh!!!! Das war echt gscheit knapp! Ausgestiegen, auf geatmet und meinen „4-Wochen-Leaf“ gleich schön mit Strom versorgt.

FAZIT: Interessante Erfahrung, was passiert wenn es echt eng wird und Autobahnen muss ich wirklich noch vorausschauender und kritischer einschätzen! Empfehlung von mir – nicht unbedingt nach machen! {:-)

 

… ein Kaffee für den Autor ;-)… ein Kaffee für den Autor ;-)

  1. 109,5 km sind, bei aller berechtigter euphorie über leise fahrweise, umweltfreundlichkeit, iphonekompatibilität etc, dann doch arg wenig. bei den derzeitigen temperaturen um den gefrierpunkt müsste man wohl weit unter 100 km reichweite kalkulieren; das grenzt den einsatzbereich stark ein und vermindert schlicht und einfach den spaßfaktor :-(((

  2. Da das Wetter ja an dem Tag sehr schlecht war (Regen u. auch kühle Temperaturen) glaub ich nicht, dass man WEIT unter 100 km käme. Sicherlich wäre es interessant, den Leaf auch bei den jetzigen Temperaturen zu testen.

    Aber die Reichweite ist sicher – gerade in unseren Breitengraden, auch mit viel Höhenmetern – schon noch ein gewisses Manko des Nissan Leaf. Ich fände es auch beruhigender, wenn er eine angegebene Reichweite von z.B. 250 km hätte. Aber Gerüchten zu Folge wird es kommendes Jahr ein Upgrade mit mehr Reichweite geben…….

  3. Holger Jessen says:

    Wir staunen immer wieder, dass man die Minireichweiten überhaupt diskutiert. Das ist kein Fortschritt, das ist alles indiskutabel. Passt nicht in die moderne Mobilität, nicht mal im Stadtverkehr. Akkus sind völlig ungeeignet, eben wegen Ihrer kurzen Reichweiten, Kurzlebigkeit und Preise.Würde es gern sehen, wenn man mich einmal kontaktet.
    MFG.

    • Hallo Holger – hier mein Kontakt ;-)

      der Bericht ist fast 2 Jahre alt, mittlerweile hat der Leaf ein größeres Upgrade erfahren (Leaf 2.0) und wird mit einem NEFZ-Zyklus (Normreichweite) von 199 km angeboten. Damit sollten Reichweiten auch bei niederen Temperaturen von 150 km machbar sein.

      Eine sparsame Fahrweise wirkt sich beim Elektroauto sicher noch stärker als bei Verbrenner-PkWs aus. Ich fahre nun über 1 Jahr den ZOE und hätte einmal sogar auch ca. 200 km schaffen können, habe aber trotzdem davor geladen, da ich aus Gewohnheit (ist auch besser fürn Akku) das Auto zu Hause jedes Mal anstecke.

      Zum Thema Reichweite gibt es hier einen interessanten Test, der dadurch entstanden ist, dass die auto motor sport völlig hirnrissige Reichweitenangaben gemacht hat:

      http://e-auto.tv/reichweite-von-elektroautos-im-praxistest.html