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Testbericht Renault ZOE

Zoe

Welche positiven aber auch negativen Eigenschaften der kleine Elektroflitzer von Renault zu bieten hat, verrät der Test von we-drive.at. 

Stefan Kopeinig: Vor ein paar Tagen hatte ich die Gelegenheit, den neuen Renault Zoe in der Ausstattungsvariante Intens ausgiebig zu testen.

Erhältlich seit: Juni 2013
Preis in Österreich: ab 20.780 Euro inkl. 20% MwSt.
(exkl. Batterie und Überführungskosten).

Technische DATEN:

Hersteller: Renault
Klasse: Kleinwagen
Karosserievariante: Steilheck, viertürig
Elektromotor: fremderregter Synchronmotor mit Schleifring, Typ 5AM – Dauerleistung: 43kW (59 PS), kurzfristige Spitzenleistung: 65 kW (88 PS)
(von 3.000 bis 11.300 U/min), 220Nm Drehmoment (von 250 bis 2500 U/min) – Bi-Modales Bremssysten für max. Rekuperation der Bremsenergie
Geschwindigkeit: max. 135 km/h – Beschleunigung 0-100 in 13,5 Sekunden
Getriebe:Reduktionsgetriebe, Bedienung wie Automatikgetriebe
Antrieb: Frontantrieb
Bremsen: vorne Scheibenbremsen, hinten Trommelbremsen
Batterie: 400V Lithium-Ionen Batterie mit 22kWh (nutzbarer) Speicherkapazität
Gewicht: 290 kg, verbaut im Unterboden des Fahrzeuges
Ladesystem: Chamaeleon Charger (verschiedene Lademodi von 3,7 kW bis 43 kW) – Ladekabel Typ 2 Mennekes (Mode 3)
Gewicht: ca. 1500 kg
Maße: L: 4084mm, B: 1730mm, H: 1568mm
Reichweite: 210 km (NEFZ Zyklus)
NCAP-Crashtest: 5 Sterne

(Weitere Daten finden Sie auf der Herstellerseite Renault Z.E)

EINLEITUNG:

Der Zoe – Renaults nunmehr viertes Elektroauto. Zoe steht für Zero Emission und bedeutet im Griechischen „Leben“.

we-drive.at war es möglich, den Renault Zoe in der Ausstattungsvariante INTENS für einige Stunden zu testen. Soviel sei verraten: Der Elektroflitzer von Renault fühlt sich an wie ein vollwertiges Auto und – er ist es auch! Aber dass nicht alles Gold ist, was glänzt, wird unser Test im weiteren Verlauf noch offenbaren …

ZOE – VOLLGEPACKT MIT MODERNER TECHNIK

Als Konzeptstudie im Jahr 2005 noch mit Verbrennungsmotor vorgestellt, kam der Zoe als komplett für die Elektromobilität entworfenes Fahrzeug im Juni 2013 endlich auf den österreichischen Markt. Gebaut wird der Zoe im französischen Werk Flins, bei Paris – dort läuft auch der Renault Clio vom Band.

Das Fahrzeug ist das erste von Renault, das mit dem „Chamaeleon Charger“, einem Schnellladesystem, ausgestattet ist. Dies erlaubt es, die Antriebsbatterie mittels Typ 2 Ladekabeln an öffentlichen Ladesäulen (oder daheim, an einer sogenannten Wallbox in verschiedenen Geschwindigkeitsmodi zu laden (Eine Phase / 230 V / 3,7 kW, Drei Phasen / 400 V / 11 kW, Drei Phasen / 400 V / 22 kW sowie Drei Phasen / 400 V / 43 kW). Bei der kleinsten Ladegeschwindigkeit benötigt der Zoe lt. Renault ca. 6-9 Std. für eine Vollladung, bei der schnellsten Variante mit 43kW stehen 80% der Kapazität bereits nach 30 Minuten wieder zur Verfügung.

Wie schon beim Renault Kangoo Z.E und Fluence Z.E liefert die Firma Continental alle Komponenten des Antriebsstranges: den Traktionsmotor, die Leistungselektronik sowie die Hardware des Electric-Vehicle (EV)-Steuergeräts. Die Akkus für die Antriebsbatterie kommen von LG Chem Ltd. Beim Elektromotor handelt es sich um eine fremderregte Synchronmaschine mit integriertem Getriebe und Differenzial. Neben dem elektrischen Antriebsstrang ist Continental noch mit weiteren Lieferumfängen im Renault ZOE vertreten. Dazu gehören das Airbagsteuergerät, Seiten- und Frontsensoren, die Raddrehzahlsensoren, das Radio sowie das schlüssellose Zugangs- und Startsystem.

DAS ÄUSSERE:

Das Fahrzeug selbst hat leicht futuristische und sanfte Züge im Design.
Vorne wirkt die Schnauze etwas bullig aber dennoch nicht aggressiv. Optisch ansprechend, aber dennoch nicht übertrieben, präsentiert sich der Zoe seinen Beobachtern. Auf den ersten Blick sieht es nämlich gar nicht so aus, als sei der Zoe ein Elektroauto.

Erst bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass das Fahrzeug keinen Auspuff hat. Mit seiner Länge von gut vier Metern ist der Zoe keineswegs klein. Andere Kleinwagen wie z.B. der VW Polo sind sogar kleiner. Die kurze Front lässt das Fahrzeug kompakter wirken, als es sich eigentlich anfühlt. Das nach hinten leicht abfallende Dach fügt sich fließend in die Designlinie ein.

Türen und Heckklappe sind ebenso wie die Motorhaube aus Metall. Die Front- bzw. Heckschürze sowie Spoiler und die seitlichen Kotflügel sind aus Kunststoff. Austoben durfte sich auch der Chefdesigner des Fahrzeuges, der sich mit seinem Fingerabdruck in den Türgriffen der hinteren Türen verewigt hat. Abgesehen davon, wirkt die Bedienung der hinteren Türgriffe anfangs etwas ungewohnt, da diese erst durch hineindrücken herausgeklappt und dann gezogen werden können. Die Außenspiegel mit integrierten Blinkern passen sehr gut zum Rest des Fahrzeuges, auch wenn sie nicht besonders groß sind.

DAS INNERE:

Bevor wir zum Innenraum des Zoe kommen, werfen wir noch einen kurzen Blick unter die Haube. Viel spannendes ist da nämlich nicht zu sehen. Wie alle Elektroautos fallen eine Vielzahl von Komponenten, die ein Verbrenner benötigt, weg wie z.B. Ölfilter, Zündkerzen oder Glühkerzen, Zahnriehmen oder Steuerkette, Dieselpartikelfilter, Motoröl, Luftfilter, Kupplung und und und… Was bleibt sind die üblichen Kleinigkeiten wie das Nachfüllen diverser Flüssigkeiten.

Schauen wir uns jetzt den Innenraum genauer an. Platz technisch gibt es im Zoe wenig zu kritisieren. Die vorderen Sitze sind bequem und man hat genügend Platz.
Der ein oder andere sportlich ambitionierte Fahrer wird jetzt über fehlenden Seitenhalt aufschreien, jedoch lässt sich ohne weiteres sagen, dass auch in etwas schneller gefahrenen Kurven, es keinerlei Probleme gab.

Hinten sieht die Sache schon etwas anders aus. Aufgrund der etwas höheren Rücksitzbank dürfte es für größere Personen, oder all jenen, die etwas mehr Beinfreiheit wünschen, etwas unangenehmer sein (auf längeren Strecken versteht sich). Aber da gibt es bei weitem schlechteres. Die Bedienung ist – wie viele Funktionen im Fahrzeug – einfach gehalten. Es erwartet niemanden eine Flut an Knöpfen und Schaltern – die, die vorhanden sind, werden im weiteren Verlauf dieses Testberichts noch erläutert.
Ansonsten wirkt das Cockpit sehr aufgeräumt und auf das Wesentliche reduziert.

Es gibt ein Handschuhfach, ein paar Ablageflächen und ein Ablagefach samt USB- und AUX Anschluss und einem Zigarettenanzünder sowie dem Slot für die Renault Keycard. Weiters noch einige Bedienelemente auf der Fahrerseite und Beifahrerseite für die Fenster (hier Ausstattungsvariante INTENS) und die Seitenspiegel sowie die Schalter für die Beleuchtung im Fahrzeug. Links vom Lenkrad befindet sich der Schalter für die Verriegelung des Ladeanschlusses und der Ladesteckdose vorne am Fahrzeug. Diese versteckt sich unter dem Renault Logo. Der Schalter dient auch dazu, den Ladevorgang zu unterbrechen, um so den Typ 2 Stecker wieder freizugeben, da dieser nach dem Einstecken verriegelt wird. In der Mitte finden sich Drehschalter für die elektrische Leuchtweitenregulierung und der Helligkeitsregler für die Instrumentenbeleuchtung.

Der rechte und letzte Schalter ist für die als „ZE Voice“ bezeichnete Funktion.
Dabei handelt es sich um einen Ton, der bei Starten des Motors aktiviert und bei Fahrtgeschwindigkeiten zwischen 1 km/h und 30 km/h hörbar ist. Dieser Ton, den es in drei futuristisch klingenden Varianten gibt, soll Fußgänger auf den Zoe aufmerksam machen, da man für gewöhnlich ein Elektroauto (bis auf das Abrollgeräusch, was auch der Grund dafür ist, wieso es ab 30 km/h nicht mehr benötigt wird) kaum hört im Gegensatz zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Durch Drücken und Halten des Schalters können die verschiedenen Varianten abgespielt werden. Hat man sich für den Ton seiner Wahl entschieden, lässt man den Schalter einfach los. Einmaliges Drücken des Schalters deaktiviert das Z.E. Voice System (gerne auch als Fußgängerhupe bezeichnet).

DER BLICK NACH HINTEN

Auch der Kofferraum bietet mit seinen 338 Litern Ladevolumen ausreichend Platz für ein Fahrzeug dieser Klasse. Eine Zuladung bis zu 440kg ist erlaubt.
Ein Negativpunkt ist jedoch die nicht teilbar umklappbare Rücksitzbank, das macht es schwierig größere Gegenstände zu transportieren.

Standardmäßig mit im Kofferraum:
Das Ladekabel vom Typ 2, das wahlweise mit 6,5m oder 4m Länge daherkommt und für Ladungen bis 22 kW geeignet ist. Bei 43 kW Ladestationen ist in der Regel das Ladekabel fix montiert (wie eine Zapfsäule bei der Tankstelle sozusagen).

DAS LADEN

Das Laden mit dem Zoe ist eigentlich keine große Sache. Wie bereits erwähnt ist es über das mitgelieferte Ladekabel vom Typ 2 Mennekes möglich, den Zoe an öffentlichen Ladesäulen oder zuhause an einer sogenannten Wallbox zu laden. Mehrere Lademodi von 3,7 kW, 11 kW, 22kW und 43kW sind dann möglich. Hierzu wird die vorne am Fahrzeug befindliche Ladebuchse mittels Schalter im Fahrzeug oder auf der Keycard entriegelt und der Ladestecker eingesteckt, der wie bereits erwähnt, automatisch verriegelt.
Dann steckt man die andere Seite in den Anschluss der Ladesäule und der Zoe beginnt mit der Prüfung. Steht die Verbindung, lädt der Zoe. Dabei kann bei höheren Ladeströmen ein deutlich hörbares Geräusch, ähnlich einem Pfeifgeräusch, vernommen werden. Aufgrund der Wärmeentwicklung während des Ladevorganges – auch in Hinblick auf die Umgebungstemperatur – aktivierte sich bei jeder Ladung auch zeitweise ein Lüftersystem, das die Komponenten kühlt.

Zum Abbrechen des Ladevorganges ebenfalls den Schalter betätigen und die Stecker wieder entfernen. Im Test funktionierte das Laden an einer 22kW Ladestation der KELAG in Villach (Kärnten) ausgezeichnet und ohne Probleme. Nach ca. 1 Std. war der Zoe wieder vollgeladen. Wo sich wie viele und welche Ladesäulen an öffentlichen Plätzen befinden, zeigt Ihnen übrigens der E-Tankstellenfinder der KELAG in Österreich sehr gut.
Sie finden Ihn auf der Hauptseite des Forums ganz unten oder hier im Blog. Geben Sie dort einfach die Adresse ein, in deren Nähe Sie eine Ladesäule suchen und bestätigen Sie die Eingabe.

Sollte es sich dennoch mal nicht ausgehen, bietet Renault den „Assistance“-Service an, der Sie bis zu 80km weit zu einer Ladesäule Ihrer Wahl abschleppt.
(Mehr dazu finden Sie auf: Renault Assistance Service)

DIE QUALITÄT

Die Verarbeitung des Fahrzeuges ist in Ordnung. Sie hebt sich weder von dieser Fahrzeugklasse ab, noch ist sie unterdurchschnittlich. Es gibt ein paar Stellen, an denen man sich angesichts des Grundpreises etwas mehr Optik, Haptik und Komfort gewünscht hätte, aber wenn man überlegt, wie viel das Antriebskonzept in der Herstellung kostet und gekostet hat, und wie viel ein gleichwertig ausgestatteter Diesel dieser Größenordnung kostet, relativiert sich der Preis tatsächlich.

Den Zoe gibt es bei Renault ab 20.780 Euro Brutto (exkl. Überführungskosten)
in der Basisvariante LIFE zu kaufen. Es gibt jedoch auch zwei weitere Ausstattungsvarianten, genannt ZEN und INTENS für je 22.580 Euro Brutto (exkl. Überführungskosten), die mit einigen weiteren Ausstattungshighlights überzeugen können.

Jedoch gibt’s da noch die monatliche Batteriemiete, die mindestens 79 Euro (12.500 km im Jahr, Laufzeit mind. 3 Jahre) kostet. Die Batterie MUSSgeleased werden.
Je nach Laufzeit und Laufleistung kostet es mehr.
Dies hat jedoch auch den Vorteil, dass Renault, sollte die Batterie nachweislich weniger als 75% ihrer Ursprungskapazität haben, diese kostenlos durch eine mit höherer Kapazität, austauscht.

DIE AUSSTATTUNGSVARIANTEN

Die Ausstattungsvariante ZEN verfügt über Schadstoffsensoren, einen Aktikduftspender auf der Beifahrerseite und teflonbeschichtete Sitze und kommt standardmäßig mit 16 Zoll Alufelgen und rollwiderstandsoptimierten Michelin Energy E-V Reifen daher. Außerdem ist das Interieur in einem schicken weiß gehalten, die Sitze sind grau.

Die als INTENS geführte Ausstattungsvariante kommt zum gleichen Preis wie die ZEN Variante und verfügt ebenfalls über 16 Zoll Alufelgen mit Michelin Energy E-V Reifen.
Anstatt eines Duftspenders, Schadstoffsensoren oder teflonbeschichteten Sitzen verfügt die Ausstattungsvariante INTENS über ein in schwarz gehaltenes Cockpit, schwarz/grauen Sitzen und kommt zusätzlich mit einer integrierten Rückfahrkamera daher, die sich selbstständig einschaltet, wenn man den Rückwärtsgang eingelegt hat. Dies erfolgt jedoch manchmal etwas verzögert, wie im Test festgestellt wurde.

Alle Ausstattungsvarianten außer der Basisversion LIFE verfügen ebenfalls über ein Schlüsselloses Zugangssystem (Auf-/Zusperren, Starten des Fahrzeuges), einem verbesserten Soundsystem (genannt Arkamys Sound) sowie einer besseren Geräuschdämmung des Fahrzeuges, einem Regen- und Lichtsensor, einer akustischen Einparkhilfe hinten, einem Lederlenkrad und Lederschaltknauf sowie elektrischen Fensterhebern zusätzlich hinten und diversen Z.E Services.

Wie die unterschiedlichen Ausstattungsfunktionen genau funktionieren kann in der Bedienungsanleitung nachgelesen werden. Die beimTestfahrzeug montierten 17″ Bi-Ton TechRun Alufelgen mit Diamanteffekt und 205 / 45 Reifen sind immer optional. Außerdem handelt es sich bei der Bereifung nicht um rollwiderstandsoptimierte Reifen! Weiteres optional erhältliches Zubehör lässt sich der Preisliste beim Händler entnehmen.

RENAULT R-LINK – WILLKOMMEN IM ELEKTRISCH-DIGITALEN ZEITALTER

Serienmäßig verfügen alle Ausstattungsvarianten des Zoe über das R-Link genannte 7 Zoll große Multimedia-Touchscreen System, das einiges an Funktionen mitbringt. Zum Einen dient es als vollwertiges Navigationssystem (TomTom) zum Anderen als Multimediazentrale für Musik (Radio) und Videos oder als Freisprecheinrichtung mittels Bluetooth oder um Musik vom Smartphone (via Bluetooth, AUX, USB) abspielen zu können. Ein CD / DVD-Laufwerk gibt es jedoch nicht.

Gleichzeitig ist das R-Link eine Informationszentrale für verschiedenste Fahrzeugfunktionen wie z.B. einer Anzeige, die den Energiefluss (was verbraucht im Moment Strom) im Fahrzeug darstellt. Je nachdem welche Optionen bzw. Ausstattungsvariante man erworben hat, sind Zugänge zu diversen Onlinefunktionen wie z.B. dem R-Link Store, in dem Apps für das Fahrzeug heruntergeladen werden können, enthalten.

Die Bedienung des R-Link ist einfach und relativ übersichtlich. Bedient wird das Gerät über den 7 Zoll großen kapazitiven Touchscreen und ein paar Tasten auf der Seite.
Die wichtigsten Funktionen sind schnell zu finden – auch eine Favoritenliste mit den am meist genutzten Funktionen – kann erstellt werden. So manche Funktion versteckt sich dann doch etwas – oder man hat keine Ahnung im ersten Moment, was diese Funktion eigentlich ist (Stichwort: Coyote Service). Was oft auffällt, ist, dass das R-Link sich gelegentlich aufhängt. Ein Neustart ist dann unerlässlich. Dafür startete es jedesmal im Test äußerst flott. Hier wird Renault hoffentlich noch etwas nachbessern.

WAS MAN VERMISSEN KÖNNTE…

Auch die Ausstattung des Zoe hat so ihre Tücken. Es gibt keine Möglichkeit eines höhenverstellbaren Fahrer- oder Beifahrersitzes, außerdem verfügt das Fahrzeug weder über eine Sitzheizung oder gar elektrisch verstellbare Sitze – auch nicht als Option. Eine Mittelarmlehne ist optional erhältlich. Hier sollten diejenigen, denen Komfort sehr wichtig ist (was nicht bedeutet, dass man im Zoe schlecht unterwegs ist!), vielleicht einen Blick auf den Nissan Leaf werfen.

Serienmäßig verfügt der Zoe über Halogenscheinwerfer und einem LED-Tagfahrlicht, das standardmäßig aktiviert ist. LED Scheinwerfer oder Xenonscheinwerfer sind nicht verfügbar, sind aber aufgrund der ausreichenden Leistung der Halogenscheinwerfer nicht zwingend notwendig. Ein Kurvenlicht bzw. Nebelscheinwerfer gibt es nicht.
Die Rückleuchten verfügen über LEDs (mit Ausnahme der Blinker).

DIE REICHWEITE

Fahrzeugfunktionen und Design sind aufs Energiesparen ausgelegt. Das ist auch notwendig, damit der Zoe weite Strecken mit einer Batterieladung zurücklegen kann.

Renault gibt an, dass die Reichweite 210km (lt. NEFZ) betragen soll – der Durchschnittsverbrauch liegt bei ca. 15 kW/h. In der Praxis ist unter optimalen Bedingungen (Temperatur, Fahrweise, Beschaffenheit der Straße, Bereifung) mit ca. 170-180 km zu rechnen. Im Test wurden etwas mehr als 150 km zurückgelegt, und es waren noch einige km Restreichweite lt. Anzeige vorhanden. In den kalten Jahreszeiten sinkt die Reichweite jedoch, dies liegt unter anderem an inneren Widerständen der Zellen (Zellchemie in den Akkus), was zur Folge hat, dass der Akku „weniger Strom speicher kann“. Auch aufgrund der Heizung ist die Reichweite im Winter weniger als bei wärmeren Temperaturen. 120 bis 130 km dürften es sein.

DIE KLIMATISIERUNG

Serienmäßig verfügt der Zoe auch über ein Klimatisierungssystem nach dem Prinzip einer Zwei-Kreis Wärmepumpe. Diese 1-Zonen Klimaautomatik ist in der Lage, sowohl heizen als auch kühlen zu können. Sie erzeugt aus einem Kilowatt Strom der Antriebsbatterie drei Kilowatt Kälte oder zwei Kilowatt Wärme. Im Test funktionierte dies ausgesprochen gut.

Somit lässt sich einiges an Strom sparen und damit die Reichweite (besonders wichtig im Winter) vergrößern. Es ist jedoch zu beachten, dass die Leistung je nach Umgebungstemperatur variiert. Es dauert natürlich, bis aus eiskalter Luft im Winter ein warmes Lüftchen in den Innenraum gelangt. Wie sie genau funktioniert, kann man bei Renault genau nachlesen. Dort gibt es ein paar interessante technische Informationen:

Renault Technikserie: Die Zoe Wärmepumpe

Außerdem kann der Zoe je nach Bedarf und Ausstattungsvariante bereits vor Fahrtantritt vorklimatisiert werden. Möglich ist dies über Vorklimatisierungsfunktion, die Online über die Z.E Services aktiviert wird oder durch Drücken der entsprechenden Taste auf der Keycard. Hierfür muss der Motor jedoch ausgeschaltet und die Antriebsbatterie zu mindestens 45% geladen sein. Es empfiehlt sich, diese Funktion zu nutzen, wenn das Fahrzeug am Strom angeschlossen ist.

Die Bedienung ist nicht wirklich kompliziert. Man kann sowohl manuell Temperatur und Gebläsestufe einstellen, oder einfach die Automatikfunktion arbeiten lassen.
Im ECO Modus wird die Leistung der Klimatisierungsfunktion jedoch gedrosselt.

DIE FAHREIGENSCHAFTEN

Der Zoe fährt sich unglaublich einfach und stressfrei. Dank des 65 kW (88 PS) starken Elektromotors, der ein Drehmoment von 220 nm ab 250 U/min entwickelt, beschleunigt der Zoe quasi vom Stand weg hervorragend. Ein Sieg beim Ampelstart wird da für die meisten konventionellen Fahrzeuge wohl ein Wunschtraum bleiben. Da die Drehmomentkurve jedoch mit zunehmender Geschwindigkeit abfällt, lässt sich fairerweise sagen, dass das Fahrzeug bis ca. 80 km/h eine gute Beschleunigung hat, danach wird es jedoch etwas zäh. Langsam wird es aber nie wirklich, aber man merkt deutlich, wann die Leistung abfällt. Ab 135 km/h ist dann auch Schluss, denn da ist der Zoe abgeriegelt. Für die österreichischen Autobahnen ausreichend, aber da gehört der Zoe auch nicht wirklich hin. Entsprechende Geschwindigkeiten über 100 km/h verbrauchen aufgrund diverser Faktoren (Luftwiderstand) eindeutig zuviel Strom, was die Antriebsbatterie schon etliche km früher in die Knie zwingt und ein Aufladen unerlässlich macht.

Eine defensive, vorausschauende Fahrweise sind daher überaus wichtig. Das Fahrzeug verfügt zwar über eine ECO-Modus genannte Funktion, die sowohl die Motor- als auch die Klimaleistung herabsetzt und auf eine Maximalgeschwindigkeit von ca. 95 km/h drosselt, aber auch damit lassen sich keine Wunder bewirken. Der Einsatz der Tempomat- bzw. Begrenzerfunktion ist jedoch empfehlenswert. Das Fahrwerk ist in Ordnung. Zwar ist der Zoe kein Sportwagen – und er fährt sich natürlich auch nicht so wie einer – aber dank des niedrigen Schwerpunktes, das der im Unterboden verbauten Antriebsbatterie zu verdanken ist und des in den unteren Geschwindigkeitsbereichen sehr guten Beschleunigungsverhaltens, macht das Fahren viel Spaß – auch wenn die Lenkung eine Spur direkter sein könnte. Während der Fahrt glaubt man fast, dass man über die Fahrbahn zu schweben scheint – ungewohnt aber doch entspannend.

Die Bremsleistung ist gut, bei einer Vollbremsung aktiviert der Zoe selbstständig die Warnblinkanlage – sehr schön. Bodenwellen federt der Elektro-Renault gut ab, vorausgesetzt man überfährt diese nicht zu rasant. Dank der optional erhältlichen bzw. in der Ausstattungsvariante INTENS ab Werk verbauten Rückfahrkamera wird auch das rückwärts Ein- und Ausparken erleichtert. Das Bild ist – zumindest tagsüber und bei nicht allzu schlechten Wetterverhältnissen (Regen) einwandfrei und die Hilfslinien helfen einem, Hindernisse besser zu erkennen.

Die Leistung des Abblendlichtes ist in Ordnung. Der Zoe verfügt ebenfalls über eine „Follow me Home“ genannte Funktion, bei der auch nach Abstellen des Fahrzeuges nach Betätigung des für das Licht zuständigen Hebels, das Abblendlicht für einige Sekunden ein bleibt, und so seinem Besitzer den Weg leuchtet. Das Fernlicht verdient diese Bezeichnung fast garnicht. – hier gehört nachgebessert.

Der Zoe besitzt ein Reduktionsgetriebe, dass sich wie eine 1-Gang Automatik verhält. Es gibt keine Schaltvorgänge beim Beschleunigen, wie es bei den Automatikgetrieben konventioneller Fahrzeuge der Fall ist. Wie bei einer Automatik üblich, gibt es verschiedene Stellpositionen des Schalthebels. P für Parkstellung, R für den Rückwärtsgang, N für den Leerlauf und D für den normalen Fahrbetrieb nach vorne. Für die Positionen P oder R muss zusätzlich noch ein kleiner Schalter an der Vorderseite des Schalthebels gedrückt werden – sozusagen eine Arretierung. Die Handbremse selbst ist mechanisch und funktioniert gut.

AUFLADEN WÄHREND DER FAHRT

Was jedoch wirklich toll ist, ist die Energierückführungstechnik des Fahrzeuges,
Diese als „Range OptimiZEr“ bezeichnete Technologie umfasst neben der bereits erwähnten Zwei-Kreis Wärmepumpe und den rollwiderstandsoptimierten Reifen auch ein optimiertes System zur Rückgewinnung von Bewegungsenergie (Rekuperation) bei der Gaswegnahme und beim Bremsen. Dabei funktioniert der Elektromotor wie ein Generator (Dynamo), der die Antriebsbatterie wieder mit Energie versorgt und diese somit lädt.
Somit lässt sich je nach Länge und Grad des Gefälles ein großer Teil an Energie wieder generieren. Dies funktionierte in der Praxis sehr gut.

DIE SICHERHEIT

Natürlich erfüllt der Zoe auch viele sicherheitsrelevante Aspekte. So sind neben dem üblich gewordenen Assistenzsystem wie das Antiblockiersystem (ABS) auch das elektronische Stabilitätsprogramm (ESC) mit Untersteuerungskontrolle und Antriebsschlupfregelung ebenso mit an Board wie ein Bremsassistent mit Bremsautomatik. Auch eine Berganfahrhilfe ist mit dabei. Weiters erreichte der Zoe auch ganze fünf Sterne – und damit die höchste Anzahl – im Euro NCAP Crashtest (siehe Videolink zu YouTube: Renault Zoe EURO NCAP Crashtest auf YouTube)

DAS NEGATIVE

Ein großer Kritikpunkt: Das Problem der Lichtreflexion in der Windschutzscheibe bei entgegen der Fahrtrichtung scheinendem Sonnenlicht. Dies – so sind sich viele einig – ist dem hellen Armaturenbrett des Zoe geschuldet. Die Windschutzscheibe wirkt dann milchig, es erschwert das Fahren bzw. die Sicht nach vorne um einiges und ist daher ein sicherheitsrelevanter Aspekt.

Abhilfe schafft hier der Einsatz eines dunklen Gegenstandes, der auf das Armaturenbrett gelegt und die Reflexion somit ausgeschaltet wird. Vorzugsweise ein dunkles T-Shirt verwendet. Auch eine polarisierte Sonnenbrille vermag zu helfen. Eine Dauerlösung kann dies jedoch nicht sein und Renault täte gut daran, diesen Kritikpunkt zu beseitigen. Auch die Sicht nach Hinten ist aufgrund der kleineren Heckscheibe nicht optimal und würde ohne Einparksensoren bzw. der Rückfahrkamera erschwert.

Ebenso fiel im Test auf, dass das Fernlicht nicht sehr stark ist. Hier könnte der Einsatz von besseren Glühbirnen vielleicht Abhilfe schaffen. Auch Nebelscheinwerfer besitzt der Renault Zoe nicht. Zuladungstechnisch gibt es außer der Tatsache, dass die Rücksitzbank nicht geteilt umklappbar ist, keine Kritikpunkte. Zuletzt wäre noch die teilweise weniger ansehnliche Verarbeitung und Haptik der verwendeten Materialien zu erwähnen. Manchmal erscheint es einem wirklich, als wäre Dacia hier das Maß der Dinge gewesen.
Aber dies beschränkt sich nur auf kleinere Bereiche wie z.B. Abdeckungen im Kofferraum.

FAZIT:

Nach vielen Stunden mit dem Zoe lässt sich ohne weiteres sagen: JA er ist ein alltagstaugliches Elektroauto und JA er macht auch Spaß. Das Schnellladesystem Chamäleon Charger, die Klimatisierungsautomatik nach dem Prinzip der Wärmepumpe, Assistenzsysteme wie ABS, ESC usw., sowie das Multimedia-Navigationssystem R-LINK bieten dem Fahrer ein gutes Paket. Das Fahren ist einfach und vor allem sehr leise. Man hört zwar die Abrollgeräusche, aber vor allem im Stand und bei niedrigen Geschwindigkeiten auf gutem Untergrund ist es eine ganz neue Erfahrung Auto zu fahren.

Negativ sind neben der bedenklichen Problematik der Windschutzscheibe, dem schwachen Fernlicht und den fehlenden Nebelscheinwerfern, sowie der fehlenden Möglichkeit der teilbar umklappbaren Rücksitzbank und der etwas dürftigen Sicht nach Hinten nur die teilweise Sparpolitik von Renault, die sich in bestimmten Bereichen im Material und dessen Anmutung niederschlägt. Technisch ist der Elektrokleinwagen einwandfrei und sollte dank seiner Funktionen und Möglichkeiten der Ladung ziemlich viel Anklang finden.

Der für ein Elektroauto günstige Einstiegspreis und die dann schon verfügbaren Funktionen ist in Ordnung, auch die Fahrleistung an sich sind tadellos. Abschließend lässt sich somit sagen, dass der Renault Zoe ein tolles Elektroauto ist, das so einigen seiner Verbrennerkollegen beweist: Es geht – und das sogar besser als so manches konventionelles Auto – nicht weil, sondern obwohl es ein Elektroauto ist.

© Juli 2013, http://www.we-drive.at
Fotos und Text © 2013 – http://www.we-drive.at
… ein Kaffee für den Autor ;-)… ein Kaffee für den Autor ;-)

2 Kommentare

  1. Hallo

    Der Testbericht ist Klasse und trifft voll zu. Ich habe den ZOE auch mal Probe gefahren, da ich ein EV für nächstes Jahr suche. Dazu noch ein paar Anmerkungen:

    1. Überzeugt und Begeistert hat mich, das der ZOE mit 22 kW an 400 V 3P geladen werden kann. Diese Versorgungsspannung sollte in Deutschland (und Österreich) eigentlich in jedem Haushalt und somit möglicherweise auch in jeder Garage zur Verfügung stehen. Dieses verkürzt die Ladezeit gegenüber Typ1 230 Volt 1P um das dreifache. Andere Hersteller (z.B. VW, Nissan, Kia, usw.) bekommen das leider nicht hin, obwohl es kein großer Kostenfaktor in der Produktion ist.

    2. Das mit den möglichen km Fahrleistung pro Ladung ist etwas kritisch. Ich habe ca. 52 km *2 zur Arbeit, wovon ich 10% Landstraße im ECO-Modus mit 90 km/h und 90% Autobahn mit 120 km/h Tempomat gefahren bin. Nach diesen 104 km war leider nur noch ca. 15% Restladung übrig. Da der Test im Sommer ohne Heizung, Klima oder sonst irgend welchen Verbrauchern (ok, Radio war an) mit neuen Batterien gemacht wurde, vermute ich im Winter Probleme mit der Reichweite.

    Punkt 2 hat mich dazu gebracht mal auf denn Opel zu warten, der soll eine größere Kapazität haben, ich hoffe nur Opel nimmt sich ein Beispiel am Stecker Typ 2 zum Laden mit 22 kW.

  2. Peter Frey says:

    Ich kann den Test nur vollumfänglich bestätigen. Ich fahre den ZOE seit Dez. 2015 und habe nun ca 9500 km gefahren. Reichweiten ca. 180 km wobei ich die Akku noch nie komplett leergefahren habe.
    Mir macht das Auto richtg Freude.

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