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Testbericht: Neuer Nissan Leaf 2.Zero Edition in Kombination mit PV-Anlage

Foto: Ing. Gerhard Mitterbaur

Der neue und komplett überarbeitete Nissan Leaf 2.Zero Edition ist schon jetzt ein Erfolg. Obwohl Nissan vom ersten Leaf eine hohe Nachfrage gewohnt sein sollte, liegen bereits jetzt die Lieferzeiten bei ca. 10 Monaten. Das spricht für eine große Nachfrage und die ersten Leafs werden gerade in Österreich an die  Kunden ausgeliefert. Umso mehr freut es uns, dass uns ein Gastautor einen top-aktuellen Erfahrungsbericht zur Verfügung stellt. Besonders interessant – die Kombination mit selbst produzierten Sonnenstrom.

Praxistest und Gastkommentar von Ing. Gerhard Mitterbaur

Am Anfang war die PV-Anlage

Nach der Installation einer 5,4 kWp-Photovoltaik Anlage am Dach Anfang 2017 kam uns die Idee, den Solarstrom ins eigene Auto zu laden. Solarstrom ist von April bis Oktober genügend vorhanden (Jahresenergie-Ausbeute ca. 5.400 kWh; Jahresverbrauch ca. 3.500 kWh). Bei den E-Mobility Play Days am Red Bull Ring Ende September sind wir Zoe, Ioniq und E-Golf Probe gefahren – dort haben wir auch den neuen Leaf das erste Mal gesehen. Eine Woche später hatten wir das schwarze 2.Zero-Sondermodell bestellt – er wird einen Benziner ersetzen und somit unser erstes Elektroauto sein.
Die Wintermonate nutzten wir damit, eine geeignete Wallbox zu finden bzw. selbst zu bauen. Aufgrund der Förderungen entschied ich mich für den Kauf einer Wallbox, die von meiner schon vorhandenen Hausautomation angesteuert werden konnte. Mein Ziel war, genau die aktuell vorhandene PV-Leistung in den Leaf zu laden – vorausgesetzt er steht in der Garage.

Einer der ersten Leaf 2.Zero Edition Österreichs

Am 5. März 2018 konnten wir unseren Leaf als einen der ersten in Österreich abholen. Nach der gewohnt genauen Einschulung durch das Nissan Autohaus Bamminger ging es nach Hause um die schon vorhandene Wallbox zu testen: Und – sie lädt (aus dem Netz mit 3,7 kW).

Foto: Ing. Gerhard Mitterbaur

Einen Nachteil hat der Leaf: Er hat keinen CCS-Anschluss (nur Chademo, weniger verbreitet in Europa; 50 kW DC) und kann AC (Typ2-Stecker) mit maximal 7,4 kW (einphasig; an 22 kW-Säulen) laden. Da wir aber wenig Langstrecken bestreiten müssen, passt das für uns.

Leaf laden mit hausgemachten Sonnenstrom

Da der Leaf mit Sommerreifen ausgeliefert wurde, stand er die ersten Tage in der Garage. Am 7. März kam erstmals die Sonne raus und die Hausautomation (eine Raspberry pi Eigenbaulösung) konnte erstmals den sonst eingespeisten Strom dem Leaf zum Laden zur Verfügung stellen.

Leistungskurve der hauseigenen Photovoltaik-Anlagen mit Nissan Leaf an der Wallbox (direkt verbraucht).  Grafik: Ing. Gerhard Mitterbaur

An der Leistungs-Zeit Kurve ist schön zu sehen, dass der PV-Überschuss in den Leaf geladen wurde. An diesem nicht so schönen Tag waren es immerhin die ersten 12 kWh. Für die technisch Interessierten: In der Wallbox ist eine Phoenix Contact EM-CP-PP-ETH Ladesteuerung mit Ethernet Schnittstelle. Per TCP Kommandos kann die Ladung gestartet, gestoppt und der Ladestrom von 6-32 A (bei mir bis maximal 16 A) in 2 A-Schritten eingestellt werden.

So nun aber zum neuen Leaf…

Vorbei ist das extravagante Design des ersten Leaf – sowohl außen als auch im Cockpit. Die Balkenanzeigen, Bäume und Blätter-Anzeigen sind zum Glück Geschichte. Der Neue kommt modern gezeichnet, sogar mit sportlichem Heckdiffusor. Die Instrumente beschränken sich auf einen runden analogen Geschwindigkeitsanzeiger und ein digitales farbiges Multifunktionsdisplay links daneben. Dies zeigt unter anderem: Verbrauch, Akkustand, Reichweite, Infos zum ProPilot, Reifendruckwerte, Navi-Abbiegeanzeige, Ladetimer usw.
Der größere Farb-Touch Bildschirm in der Mittelkonsole beinhaltet Navigation, Audio, Round-View-Ansicht beim Parken, Einstellungen, Apple Carplay und Android Auto.

Foto: Ing. Gerhard Mitterbaur

Das Cockpit und Armaturenbrett wirkt aufgrund der verwendeten Materialien hochwertig – die blaue Naht unterstreicht dies zusätzlich.

Foto: Ing. Gerhard Mitterbaur

Der Kofferraum ist mit 435 Liter um 55 Liter größer als im aktuellen Golf und um 65 Liter größer als im ersten Leaf – die Rücksitze können im Verhältnis 2:3 umgelegt werden, eine ebene Ladefläche ergibt dies leider nicht. Im Kofferraum finden rechts und links das Typ2 und das Schuko-Notladekabel ihren Platz.

Foto: Ing. Gerhard Mitterbaur

Die Sitze wirken hochwertig, vermitteln ein angenehmes Sitzen und ausreichend Seitenhalt. Dass das Lenkrad nur in der Höhe und nicht in der Tiefe zu verstellen ist, fällt vielleicht ganz großen bzw. kleinen FahrerInnen negativ auf. Für uns passt es.

Foto: Ing. Gerhard Mitterbaur

Unser Leaf mit der Sonderausstattung 2.Zero Edition ist ähnlich dem N-Connecta: ProPilot, Around-View-Monitor, 17“ Leichtmetallfelgen, Wärmepumpe, Winterpaket, Navi.

Die Nissan EV-App kann bei mir nicht mit dem Leaf verbinden – eine Anfrage bei Nissan ist noch unbeantwortet. Mit dieser App könnte man u.a. Heizung und Klima programmieren, um vortemperiert wegfahren zu können.

Foto: Ing. Gerhard Mitterbaur

Erste Ausfahrt: Bremspedal dank e-Pedal fast überflüssig

Die erste längere Ausfahrt führte uns heute zum Traunsee nach Gmunden zum Liebstattsonntag. Die beste Neuerung des Leaf ist sicherlich das e-Pedal. Das Bremspedal brauchte ich heute nur zum Starten, dann nicht mehr wieder. Der Leaf kann beinahe vollständig mit einem Pedal (dem Gaspedal) gefahren werden. Geht man vom Pedal, verzögert der Leaf mittels Rekuperation ausreichend stark, um auch bei Kreuzungen ohne Bremspedal zum Stehen zu kommen. Die gewonnene Energie geht wieder in den Akku.

Der Innenraum ist sehr gut gedämmt, Elektroautofahren ist generell sehr leise – auch im Leaf.

Verbrauch des neuen Leaf in der Praxis

Ich vermied heute die Autobahn und versuchte die Strecke von ca. 120 km sehr verbrauchsarm (ohne ein Verkehrshindernis zu sein; maximal 90 km/h) zu fahren, um zu sehen, welcher Wert mit dem Nissan Leaf möglich ist: Die ersten 142 km schafften wir mit 14 kWh/100km (Siehe Bild Bild 5 Bordcomputer.JPG) – hauptsächlich im ECO-Modus, es war auch für ein Teilstück die Sitzheizung eingeschalten. Mit meinen 14k Wh/100 km ergibt dies beim Leaf.2 eine Reichweite von 280 km. (laut Nissan nach dem neuen, praxisnahen WLTP-Zyklus 270 km mit den 17“ Reifen, 285km mit den 16“ Reifen)

Den ersten Leaf sind wir beim Nissan-Händler Probe gefahren. Hier fiel uns das etwas schwammige Fahrwerk auf – kein Spur davon im neuen Leaf. Präzise wird in Kurven eingelenkt, das Fahrwerk ist europäisch straff ausgelegt.

Fazit und ökologischer Nutzen

Einige Passanten waren besonders interessiert – viele sahen sicher zum ersten Mal den neuen Leaf. Würde das Auto ein Erfolg werden, es täte uns nicht überraschen – Nissan hat (fast) alles richtig gemacht, ein gelungenes Auto, wie wir finden.
Mit meiner Lösung aus Photovoltaik am Hausdach, Steuerung der Ladung aufgrund von PV-Überschuss und Elektroauto will ich auch aufzeigen, dass ökologischer Individualverkehr relativ einfach möglich ist. Zusätzliche Kraftwerke sind nicht nötig, denn die 1.500 kWh für 10.000 km ist nur ein Drittel meiner PV-Jahresproduktion. Das Zweitauto muss kein Verbrenner mehr sein.

 

5 Kommentare

  1. King Earl says:

    Herr Mitterbaur widerlegt hier sehr schön das Stammtischargument vom fehlenden Strom (wenn alle sowas fahren, bricht das Netz zusammen, etc.). Seine Fotovoltaik ist eher klein und bescheiden (auf durchschnittliche Einfamilienhäuser kann man etwa 20kwp montieren) und trotzdem reicht es locker, um den neuen Leaf zu fahren.
    Ja, fahren, Freude haben, kein Geld pro Kilometer ausgeben und keine Emissionen verursachen: Das ist 2018! Leider wohne ich südlich von Wien in einem Kuhdorf, wo es üblich ist, stinkende Diesel zu fahren und auch bei jedem Stillstand laufen zu lassen, egal wie lange es dauert. Da träume ich immer von Abwatschen… Ich bin sehr friedlich, aber Idiotie und Ignoranz vergraulen mich; Zufall oder nicht: Es sind meist deutsche Fabrikate.

    • Das Motor laufen lassen im Stand ist eine Sache, die mich auch jedes Mal extrem nervt. Manche lassen sogar das Auto mit laufenden Motor stehen und gehen inzwischen die Straße lang, was nachschauen. Oder zuletzt – ein Lieferwagen – vor dem Kindergarten – steht und lässt minutenlang den Motor laufen.

      Hab jetzt schon öfters was zu manchen gesagt. Man muss den Leuten das beibringen, dass dies eine Unart ist. Davon abgesehen ist es sogar laut StVZO sogar verboten Motoren laufen zu lassen, wenn das Fahrzeug nicht bewegt wird – sowohl im Sommer als auch im Winter.

  2. Gerhard Mitterbaur says:

    @King Earl: Danke für dein Feedback; Ich wohne auch in einem Kuhdorf (darf man das sagen?) – die E-Auto Dichte ist noch winzig – aber ich hoffe, es wird mehr ;-)
    In unserem Ort gibt es keine Ladestelle, nicht mal Schuko!

  3. Bernhard Leopold says:

    Wie effizient ist denn das Ladegerät bei sehr niedrigen Strömen? Ausgelegt ist es ja bis etwa 28 A, wenn jetzt die Solaranlage zB nur etwa 1000 W liefert, also knapp 4 A, lädt das Auto dann noch sinnvoll?
    Übrigens: In Europa gibt es dzt. mehr Chademo- Säulen als CCS wie man hier immer aktuell sehen kann:
    https://www.goingelectric.de/stromtankstellen/statistik/

    • Gerhard Mitterbaur says:

      Hallo, danke für den Input. Wie effiziet das Leaf-Interne Ladegerät bei welchen Strömen ist, kann ich nicht sagen. Die Wallbox kann minimal mit 6A (nach IEC 61851-1, Mode3) laden, dass sind bei einphasiger Ladung wie beim Leaf 1380Watt, soviel sollte die PV schon bringen. Wenn man die Ladung bei 1000W PV Leistung startet, kämen 400Watt aus dem Netz. Meine PV bringt aktuell ca 2,5kW – diesen gehen fast zu 100% in den Leaf.

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